V E N T I L A T O R   B E S T E L L E N
A R C H I V
Ü B E R

BIBELGARTEN UND BLEIKELLER / BLUMENMANN / BRILL BRÜCKE / CAFÉ IM RILKE–HAUS / CONTAINERHAFEN / DETE / FÄHRE FAHREN / FINK / FOCKE–WINDKANAL / FREISCHRAUBER / GEMÜSEHÄNDLER / GERKEN / HANDARBEITEN ELFRIEDE AHLERS / KASSIOPEIA / KLAUS–KUHNKE–ARCHIV / MALENE / NOON / PENGWYN / PUSTA-STUBE / SCHAUMAGAZIN / SELIN / WALLER TRIANGEL / WEIN–BENNECKE / WENDLAND / WINDSCHILD MÖBELDESIGN

St. Petri Dom / Innenstadt

BIBELGARTEN UND BLEIKELLER AM ST. PETRI DOM

Für alle, die wie wir bis jetzt immer dran vorbeigelaufen sind:

Falls man mal wieder Besuch im Anhang hat, der sich ein paar Sehenswürdig-keiten zeigen lassen will, und nach stundenlangen Gewaltmärschen durch Schnoor und Innenstadt irgendwann das Gefühl hat, die Füße hätten sich in ihrer Form dem Kopfsteinpflaster bereits angepasst und man sich ausruhen möchte – dann kann man sich durch das Metalltor rechts vom Dom begeben und findet sich in einem kleinen Gärtchen wieder, in dem fast 60 der 120 in der Bibel erwähnten Pflanzen wachsen – es gibt sogar einen Feigenbaum. Im Garten gibt es Bänke und ein kleines Café und in den Himmel ragen die Türme des Doms und wenn die Sonne scheint, fühlt man sich wie in Italien.

Wenn man genug von der Idylle hat, kann man sich vom Gärtchen aus eine Treppe abwärts bewegen und sich für 1,40€ (1€ mit Ermäßigung) ein paar mumifizierte Leichen anschauen. Ende des 17. Jahrhunderts wurden sie von den Gesellen eines Orgelbauers gefunden, die in dem Gewölbe, wo der Meister seine Orgelpfeifen lötete, die herumstehenden Särge öffneten und darin nahezu unversehrte Leichen fanden. Es handelt sich dabei um die Körper von sechs um die Zeit des 30-jährigen Krieges verstorbenen Menschen, die aufgrund besonderer Luftverhältnisse in der Krypta des Doms, wo sich der Bleikeller zuerst befand, nicht verwesten, sondern erst gärten und dann austrockneten. Seit dem Fund werden die Mumien Besuchern zur Schau gestellt – seit 1965 liegen sie allerdings unter Glas, da Besucher sich als Mitbringsel gerne Mumienfinger abbrachen.

Öffnungszeiten Bibelgarten: im Sommer 10.00 – 22.00
Öffnungszeiten Bleikeller: Mo – Sa 10.00 – 16.45, So 12.00 – 16.45

Otto-Gildemeister-Straße, Ecke Hartwigstraße / Schwachhausen

DER BLUMENMANN

Jeden Samstag von 9.00 bis 13.00 steht Gerhard Hannig, ein alter Mann mit Strohhut und grüner Strickjacke in der Otto-Gildemeister-Straße, Ecke Hartwigstraße. Vor seinem mit Rostflecken übersätem weißen Transporter präsentiert er selbst angebaute Blumen. Für wirklich kleines Geld kann man bei ihm wunderschöne Blumen kaufen.

ÜBER DIE BRILL BRÜCKE

Süß-schokoladig, herb-malzig, warm-geröstet: Allein für die Nase lohnt sich der Weg aus der Neustadt, über die Brill-Brücke an die Schlachte. Jeden Morgen fahre ich vorbei an Hachez, Beck's und Münchhausen. So riecht Bremen für mich. Und das muss erwähnt sein, denn kaum eine andere Stadt, in der ich bisher gelebt habe, verbinde ich mit solch angenehmen Gerüchen.

Und fast jeden Abend fahre ich diesen Weg auch zurück. Zu empfehlen: Einfach mal absteigen vom Rad, die Happy Hour Cocktail trinkenden After Work People links liegen lassen und mal nach rechts gucken: die Weser mit tuckernden Schiffen in groß und klein, Industrie, die sich nur schemenhaft abzeichnet, weil die Sonne gerade unter-geht und einen ziemlich bunt-kitschigen Himmel hinterlässt. Ein Bild, das in mir immer etwas Gutes hinterlässt. Es tut gut zu wissen, wo man in Bremen den besten Kaffee bekommt, die beste Pizza essen kann. Aber es tut auch gut zu wissen, wo und wie man innerhalb eines kurzen Ausblicks Urlaub für die Augen bekommt. Ein Stopp auf der Brill-Brücke lohnt sich!

Gastbeitrag von Tinia Würfel

Fischerhude

DAS CAFÉ IM RILKE-HAUS

Etwas außerhalb des Zentrums von Fischerhude liegt, versteckt hinter ein paar Bäumen, das Café im Rilke-Haus. Dort wohnte ab 1919 die Bildhauerin Clara Westhoff, welche für ein paar Jahre mit dem Dichter Rainer Maria Rilke verheiratet war, gemeinsam mit der Tochter Ruth. Clara Westhoff nutzte das Haus zum Wohnen und Arbeiten und auch nach ihrem Tod 1954 wurde es von ihrer Tochter weiterhin gepflegt. Seit 1995 ist es als Café hergerichtet, im Stil der Fischerhuder und Worpsweder Ateliers. Der selbst gebackene Kuchen schmeckt nach wohl behüteten Familienrezepten und wird von dem offenen und freundlichen Personal serviert. Ein sorgfältig angelegter Garten mit Aussicht auf die Wümme und die dahinter liegenden Wiesen lädt zum Spazieren ein. Mehr als ein Stück Rhabarberkuchen auf der Terrasse und den Blick in die Blumen braucht es nicht.

Gastbeitrag von Karola Booß

Überseestadt

CONTAINERHAFEN

Fast vergessen am Spätnachmittag ruhen sich diese alten Metallriesen am Ende der Überseestadt aus. Die Container. Sie formen Straßen, Hochhäuser, Fabriken. Sie fahren nicht mehr über die verstaubten Zugschienen, sondern über das Wasser. Über den Fluss. Der Platz ist unbewohnt, offen, unbeobachtet, wie in der Zeit angehalten. Nicht "lounge". Nicht "chillout". Die Stadt meiner Riesen. Die Stadt meiner Einsamkeit.

Gastbeitrag von Sebastian Chica Villa.

Lahnstraße 61 - 63 / Neustadt

DETE

Wir sind offen. Das Kultureinrichtungshaus D E T E füllt sich mit Leben. Künstler ziehen ein, um auf 400qm etwas zu schaffen. Vom Maler bis zum Grafiker, von der Illustratorin bis zur Modemacherin, alles vereint sich unter einem Dach. Die DETE sieht sich als Anlaufstelle für handgefertigte Produkte, die im Haus produziert werden. Im EG werden diese Dinge auf weiteren fast 200qm zu kaufen sein. Gibt es noch Künstler von außerhalb der DETE, die eben solche Dinge in unserem Marktplatz anbieten wollen...? Wir freuen uns über Zuwachs der Produktpalette. Sprecht uns an.

In der DETE-Galerie habt Ihr die Möglichkeit laufend Ausstellungen zu besuchen, während Ihr unten aus dem im Laden beherbergten Laden flüssige Stärkung bekommen könnt, um lange in der DETE zu verweilen. Es gibt ganz oben einen Mehrzweckraum für Kurse und Seminare, der auf Anfrage zu mieten ist. Das Kultureinrichtungshaus DETE bietet zudem ein monatlich wechselndes Veranstaltungsprogramm neben den laufenden Ausstellungen.

Kommt doch mal gucken. Die DETE freut sich auf Euch.

ÖFFNUNGSZEITEN:
Mo - Fr 12.00 - 22.00
Sa 9.30 - 22.00
So nach Ankündigung

Gastbeitrag von Norman Böttger
Fotos von Kathrin Truhart

Nachtrag:
Die DETE ist seit dem 4. August 2014 geschlossen, das Gebäude wird demnächst abgerissen. Mal sehen, was danach passiert!

z. B. Martinianleger / Innenstadt

FÄHRE FAHREN

"Eine Seefahrt, die ist lustig – eine Seefahrt, die ist schön."
Und wer nicht ganz bis nach Bremerhaven durchfahren will, kann auch bereits in Mittelsbüren, Vegesack, Blumenthal, Farge, Brake oder Nordenham von Bord gehen. Alle Abfahrtszeiten findet ihr h i e r.

Am Dobben 35 / Viertel

FRÜHSTÜCKEN IM FINK


Frühstück und hausgemachten Kuchen gibt's im F i n k vorerst nur am Sonntag, dafür kann man von Dienstag bis Sonntag etwas von der monatlich wechselnden Abendkarte auswählen. 

Nachtrag:
Leider ist das Fink seit September 2014 geschlossen.

Emil-Waldmann-Str. 4 / Bahnhofsvorstadt

FOCKE WINDKANAL

"Nur wenige Zuschauer waren anwesend, als an einem Sommermorgen des Jahres 1936 ein fragiles Rohrgestell senkrecht vom Neuenlander Feld abhob und minutenlang frei in der Luft schwebte." Der 26. Juni 1936 gilt als Geburtsstunde des ersten voll kontrollierbaren Hubschraubers der Welt. Sein Konstrukteur Henrich Focke (1890–1979) widmete sein Leben dem Fliegen und entwickelte von Kindesbeinen an Flugmodelle und Gleiter. Als "Flugpionier im Ruhestand" erbaute sich Focke Ende der 50er Jahre in einem Hinterhof  in der Nähe des Bremer Hauptbahnhofs ein privates Fluglabor um weiterhin ungelöste Probleme der Aerodynamik zu ergründen. Für den Bau seines Windkanals standen im 8000 Mark zur Verfügung. "Dünnes Sperrholz, Leisten, Pappe und Blumendraht waren Materialien, die ernstzunehmende wissenschaftliche Arbeit ermöglichten." Nach Fockes Tod geriet das Versuchslabor in Vergessenheit. Erst 1997 wurde der Focke-Windkanal von Dr. Kai Steffen wiederentdeckt und mit vielen Helfern und Spendengeldern konnte der verfallene Ort authentisch und liebevoll wieder aufgebaut werden. Der kostenlose B e s u c h im Focke-Windkanal ist eine einstündige Zeitreise und erlaubt einen skurril-fantastischen Blick in die Welt eines genialen Erfinders.;

Unser persönliches Highlight der Führung: die Glühbirnenwiderstandskaskade – eine Anreihung von Glühbirnen mit Fassungen aus Pillendosendeckeln, die dazu diente, Strom zu verbrauchen um die Drehzahl der nachgeschalteten Bohrmaschine zu minimieren, die das in ein Nachtschränkchen eingebaute Minikreissägeblatt antrieb.

Jugendzentrum Friesenstraße / Viertel

FREISCHRAUBER

Einen Platten selber flicken bekommen die meisten Leute mit Youtube und minimalster Werkzeugkiste noch ganz gut geregelt. Soll aber die Acht aus dem Hinterrad oder ein neues Tretlager rein wird's vielleicht am (fehlenden) Werkzeug oder Wissen scheitern. Hier setzen die f r e i s c h r a u b e r* an und unterstützen Fahrradliebhaber*innen bei der Reparatur oder auch nem Auf- bzw. Umbauprojekt. Zusätzlich liegen einige zusammen gesammelte Einzelteile und ausschlachtbare Schrotträder bereit, die schon mal eine Reparatur ohne vorherigen Einkauf ermöglichen können. Spezielle Ersatzteile sollten aber mitgebracht werden.

Das Projekt läuft seit fast 5 Jahren. Es entwickelt sich stetig mit einer kleinen Prise Chaos weiter und wird ausschließlich von Freiwilligen getragen. Helfende Hände, sowie Werkzeug- und Materialspenden sind sehr willkommen. Wer Lust hat mitzuschrauben, kann uns zu den Öffnungszeiten besuchen und die Werkstatt kennen lernen. Umfangreiches Fachwissen ist nicht nötig, die Meisten hier haben sich das Schrauben selbst beigebracht und lernen immer wieder neues voneinander.

Jeden Mittwoch von 15.00 bis 21.00 und donnerstags von 18.00 bis 21.00 (Winter-Öffnungszeiten beachten!) im Hinterhof des Jugendzentrums in der Friesenstraße.

Gastbeitrag von Ansgar Schürmann

Keplerstraße und Brommiplatz / Viertel

DIE GEMÜSEHÄNDLER

Bereits seit 1949 fährt Otto, Jahrgang 1924, wöchentlich nach Bremen um die Ernte von seinem Hof in Grasberg anzubieten. Damals fuhr er die Strecke noch auf der Kutsche gemeinsam mit seiner Frau. Heutzutage begleitet ihn sein Sohn und auf einem Pritschenwagen werden die Waren feil geboten – was aber nicht unbedingt weniger Charme hat. Zu kaufen gibt es das ganze Jahr hindurch saisonales Gemüse vom Hof, zu dieser Jahreszeit auch noch Pflaumen und Äpfel aus dem Alten Land sowie Wurst und Eier von einer hiesigen Schlachterei. Wir können einen Einkauf bei diesen Herrschaften nicht nur wegen der fairen Preise sehr empfehlen: jeden Donnerstag von 15.30 bis 18.30 in der Keplerstraße nicht unweit der Humboldtstraße und am Freitag steht das Gespann von 16.00 bis 20.00 am Brommiplatz in der Hamburger Straße.

Feldstraße 77 / Viertel

GERKEN

Fußball gucken, Werder sehen, das geht im Gerken. Eine chilenisch-deutsch geführte Kneipe in der Feldstraße. Gemütlich, funzelig, bremisch. Ein kleines Gezapftes kostet 1,50 €. Deftige Snacks gibt es auf Wunsch und manchmal gibt der Wirt einen Happen aus. Diesmal: 1/3 Bratwurst mit Senf und Mayo auf einer Baguettescheibe.

Anhören tut sich die fußballernde Unterhaltung im O-Ton so:

"Das fängt ja mal gut an. Was ist denn das für ein Gegurke? Junge, Junge, Junge... Kannst du mir 'ne Frikadelle machen, kalt mit Ketchup? (Gibt es nur warm). Oh man, der läuft doch auch nur der Musik hinterher. Jetzt geht es in den Keller. Also, wenn der Schiri sowas pfeift, dann ist das Mist. Gelb für Ekici? Egal, der kann das ab. Hast du mal für Manu nen Bier, damit es hier wieder bergauf geht? Basler hätte den gemacht. Bargfrede?! Kinder, für so ein Spiel braucht man Humor." (30.11.2013, Hof-Bre, 4:4)

Gastbeitrag von Franziska Sander

Kleine Johannisstraße, Ecke Westerstraße / Neustadt

HANDARBEITEN ELFRIEDE AHLERS


Wer sich schon immer mal in Sachen "Handarbeiten" schlau machen wollte, findet in Elfriede eine Meisterin ihres Faches: Steilstich, Schlingstich, Kreuzstrich, Stricken, Häkeln, Ajour-Stickerei, Hardangerstickerei - Frau Ahlers kann und weiß alles, was sie auch gern anhand ihrer zahlreichen Musterdecken unter Beweis stellt. Neben dem Erwerb von Wolle und Stickgarn kann man bei ihr auch Arbeiten in Auftrag geben und sich sicher sein, dass diese mehr als akkurat werden. Hingegen überkommt einem beim Betreten des Ladens schnell die Sorge, dass die lebhafte alte Dame bei der nächsten schnelleren Bewegung von einer Lawine aus Wollknäueln und Verpackungen mitgerissen wird. Doch natürlich verbirgt sich auch hier eine strikte Ordnung in dem kleinen Lädchen in der Kleinen Johannisstraße 1, Ecke Westerstraße, der montags bis freitags von 9.00 - 18.00 und samstags von 9.00 - 12.00 geöffnet hat. Nur mittwochs bleibt die Tür dicht, denn da bleibt Frau Ahlers daheim und langweilt sich.

Bismarckstr. 89 / Viertel

KASSIOPEIA

Ein bisschen Überwindung kostet es tatsächlich, die Stufen der Jugendstilvilla mit den grünen Fenstern in der Bismarckstraße 89 hoch zu steigen und sich durch die Tür zu K a s s i o p e i a zu trauen, denn man fühlt sich genau so, wie man es sich vorher ausgemalt hat.

Vielleicht liegt das auch an den Michael Ende-Assoziationen, die sich namensbedingt auftürmen. Daran ändert sich auch nicht unbedingt sofort etwas, wenn man sich bereits im Eingangsbereich zwischen riesigen prall mit Edelsteinen und Ketten gefüllten Vitirinen steht und von warmen süßlichen Düften nach Kaffee und Tee eingehüllt wird.

Aus der Seitentür kommt dann aber kein mürrischer Buchhändler, sondern Frau Kulpa, die einem sehr freundlich frisch aufgebrühten Tee, grün oder schwarz, zum Probieren anbietet, mit dem man dann durch die Räume schreitet und den Mund kaum wieder zu bekommt. Überall, an allen Wänden, in jeder Ecke auf jedem Regal stehen Gläser, Kästen, Vitirinen und Schränkchen, die mit Amethysten, Achaten, Malachiten, Quarzen und unaufzählbar vielen anderen Steinen gefüllt sind. Dazwischen immer wieder Figuren wie ein Panther aus Turitella-Achat von mindestens 40 cm Länge oder ein 20,7 kg schweres Ei aus versteinertem Holz. Im nächsten Raum findet man die unterschiedlichsten Sorten Tee, Hachez Schokolade, Himalya Salz, gemahlen oder in Brocken und Kaffee: Sehr zu empfehlen 500g Festtags - Kaffee, "veredelt so wundervoll koffig und bekömmlich .... Nr 75" für 4,95 €!

Gegründet wurde die Handelsgesellschaft Kassiopeia 1954 vor fast 60 Jahren von dem Ehepaar John. Das Kassiopeia-Sternbild wurde Symbol für Name und Firmenzeichen der Kassiopeia Handelsgesellschaft John & Co.

Dechanatstr. 13 - 15 / Innenstadt

DAS KLAUS–KUHNKE–ARCHIV

Im Keller der Dechanatstraße 13 – 15, Fachbereich Musik der Hochschule für Künste Bremen, verbirgt sich das K l a u s – K u h n k e – A r c h i v, ein Ort für populäre Musik, wo man fast alles findet, außer Klassik: Eine riesige Plattensammlung, alphabetisch sortiert zum Beispiel. Da steht Heino ganz nah neben Hendrix. Unzählige Bücher, Magazine, CDs, DVDs. Einen Platz zum Platten anhören, einen Sessel und einen Fernseher zum Musikvideos schauen. Und das beste ist das wandelnde Lexikon Ulrich Duve. Ohne lange hinzuschauen, greift er die richtige Platte aus dem Regal und weiß so ziemlich alles über die Scheibe. So erzählte er uns von dem Avantgarde Pianisten Wolfgang Dauner, seinem brennenden Klavier und seinem nackt spielenden Bassisten Fred Braceful. Schließlich landeten wir beim Krautrock und einer Buchempfehlung: "Der Klang der Revolte: Die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground" von Christoph Wagner.

Dazu ein S o n g der deutschen Krautrockkapelle CAN.

Sielwalleck / Viertel

MALENE- Rock'n'Roll Restaurant am Eck

Gute Küche, Live Musik, Parties, Vorverkauf und Seemannsgarn. Fast täglich geöffnet ab 15.00.

Wer MALENE ist? MALENE zog einst von zu Hause aus in die weite Welt und hat schon so einiges erlebt auf ihrer Reise durch den Rock-Olymp. Nun kehrt sie zu ihren Wurzeln zurück. Für zunächst mal drei Monate hockt MALENE direkt am Eck. Sielwall Bremen.

In der Malene gibt es Essen und Trinken. Am Wochenende kannst Du auch Tanzen in der Malene. Du kannst die Siege des ruhmreichen SVW mit ihr feiern. Malene besorgt Dir Tickets für die besten Konzerte der Stadt, spielt mit Dir Rock'n'Roll Bingo und lädt spannende Bands zu einem Gastspiel ein.

Gastbeitrag von Olli Brock

Nachtrag:
Malene ist wieder ausgezogen.

Wegesende 22 / Innenstadt

NOON

Seit dem 22. Juni 2013 lohnt sich der Weg in die Bremer Innenstadt: Am Wegesende 22 haben Saskia Burghardt und Christian Leon einen Ort geschaffen, wo man nicht nur gemütlichst verweilen kann, sondern wo auch vieles möglich sein soll: "noon ist ein Experiment. Es ist der Versuch einen Raum zu gestalten, in dem Kreativität gedeihen kann. Die Atmosphäre ist inspirierend, lebt vom Teilen und weckt den Drang etwas Neues zu wagen. Impulse kommen aus den wechselnden Ausstellungen, Konzerten und Workshops".
Der guatemaltekische Café von der Finca don Leon schmeckt ausgezeichnet, der Kuchen auch und es gibt Mittagessen, z.B. Nudelsalat mit Tomate, Rucola, Schafskäse & Kürbiskernen + Kressebrot.

Von Donnerstag bis Sonntag ist das Café geöffnet, von Montag bis Mittwoch sollen die 160 qm Gruppen, Workshops und Seminaren zur Verfügung gestellt werden. Aktuelles h i e r.

Es geht weiter:
Ab dem 13. September 2014 findet man Christian Leon und das Noon im Foyer des Kleinen Hauses im Theater am Goetheplatz.

Teerhof / Neustadt

MITTAGSTISCH BEI PENGWYN


In einen seit geraumer Zeit leerstehenden Raum gegenüber der GAK (genauer: man nimmt den Eingang zur GAK, biegt dann aber nicht nach rechts sondern nach links ab) haben Conor Gilligan, Marcy Naumann und Maja Spence ihr Koch-/Küchen-/Restaurantprojekt "Pengwyn" gebaut.

Jeden Mittwoch ab 12.00 gibt es für 5€ ein in offener Küche und in riesigen Töpfen zubereitetes veganes Gericht (zum Beispiel letzten Mittwoch Sojagulasch mit Rotkohl und Kartoffeln) und einen Nachtisch (letzten Mittwoch kleine Bällchen aus Nüssen und getrocknetem Obst in einer Zitronensauce). Geöffnet ist dann bis das Essen alle ist, je nach Andrang meistens gegen 16.00 oder 17.00.

Die Einrichtung ist zum Großteil selbst zusammengebaut – aus wiederverwerteten Materialien mit irritierender Ästhetik. Die Gläser sind aus alten Flaschen gemacht, das Holz für die Tische stammt zum Teil aus Stellwänden von Museen oder aus den angeschmorten Planken aus der Gusswerkstatt der HfK, Geschirr und Besteck sind von irgendwo zusammengesammelt. Die Wände haben die Farbe von der Masse, aus der man Gebissabdrücke macht, kombiniert mit Schwarz und Glitzer und beißen sich vorzüglich mit der Brombeerjoghurtfarbe in den Tischen und dem grelltürkisen Frotteebezug der Bankpolster.

Bis Ende 2014 läuft das Projekt erst mal weiter – geplant sind bis dahin ein regelmäßiges Mittwochabend-Menüangebot und dann gibt es noch einen noch nicht genutzten Nebenraum, der darauf wartet, mit einer Bar bestückt zu werden...

P.S.: Schön ist übrigens auch, dass man den Kunstzusammenhang zwar durchaus spürt, er sich einem aber nicht auf den Schoß setzt und beim Essen zuschaut.

Blockland

PUSTA-STUBE ZUM JANOS

Ungarische Spezialitäten in Bremen zu finden, ist nicht einfach. In der P u s t a - S t u b e aber stehen Szegediner Gulasch und Gulasch-Suppe dauerhaft auf dem Programm, ebenso wie abschließend ein Barak Palinka, ein Schnaps aus Aprikosen. Der Biergarten erinnert eher an Urlaube in den 70er Jahren im Süden, das angebotene Kunsthandwerk ist wieder dem norddeutschen Geschmack angepasst.

Gastbeitrag von Helle Rebecca Brosig

Überseemuseum / Bahnhofsvorstadt

SCHAUMAGAZIN IM ÜBERSEEMUSEUM

Alligatoren, Äxte, Dolche, Elektrische Rochen, Faserpflanzen, Federschmuck, Gewichte für Goldstaub, Glasschwämme, Helme, Herrentiere, Japanische Schuhe, Kiwis, Kloakentiere, Kopfbedeckungen, Kröten, Kugelfische, Langkopfkäfer, Masken, Melonenquallen, Nachtfalter, Nackenstützen, Nester, Olme, Orakel, Panzerwangen, Peitschen, Rippenquallen, Rollschlangen, Schabrackenschakale, Schildwanzen, Sklavenfesseln, Tyrannenvögel, Winkelzahnmolche, Wurfmesser, Zitterrochen, Zweikeimblättrige.

Sechs Euro Fünfzig (ermäßigt Vier Euro Fünfzig) kostet eine Eintrittskarte im Ü b e r s e e m u s e u m , welche neben dem Besuch der Dauer- und Sonderausstellungen einen Blick in das Schaumagazin des Überseemuseums gestattet. Auf 1800 qm sind kommentarlos und ästhetisch angeordnet 30.000 Objekte ausgestellt, die seit 1896 aus unzähligen Expeditionen mitgebracht wurden. Während öffentlichen Begehungen besteht die Möglichkeit durch das Schaumagazin geführt zu werden. Sonst kann man jederzeit während der normalen Öffnungszeiten einsam und in Ruhe entlang der vielen Regale wandeln oder das wunderschöne Herbarium durchstöbern. Wir fanden es großartig! Ein Hit unter vielen: N 0543, der im Nord- und Westpazifik verbreitete Bärtige Meergrundel (Tridentiger Barbatus).

Danke Annika für diesen Tipp!

Am Dobben 110 / Viertel

SELIN FEINKOST IZMIR

Bereits 1990 wurde das F e i n k o s t g e s c h ä f t von den Brüdern Cemal und Kemal in einem einstigen Antik-Laden eröffnet, das vor allem wegen seiner extrem überragenden Obst- und Gemüsequalität bekannt ist. Mittlerweile wird der Laden nur noch von Cemal geführt, doch nach wie vor wird sehr früh morgens zum Großmarkt gefahren, im Sommer auch direkt zu den Bauern im Umland, um frische Ware einzukaufen. Neben all dem Grünzeug kann man in dem kleinen Lädchen auch noch Brot von Effenberger, Milchprodukte von der Hofmolkerei Dehlwes, Bio-Freilandeier aus Twistringen, allerlei Gewürze in frisch und getrocknet, Oliven, Schafskäse und glücklicherweise auch so ungesunde Sache wie Limo, Bier, Zigaretten und Nutella in großen Gläsern käuflich erwerben. Die Qualität des Sortiments, die unglaublich herzliche Art und die Mama-Paste nach einem Rezept der Mutter von Kemal und Cemal sorgen immer für reichlich Kundschaft und wo sonst bekommt man beim Gemüsekaufen als Student schon 10% Rabatt.

WALLER TRIANGEL

Fotos Fotos Fotos. Im Waller Kulturhaus Brodelpott (1) sitzt ein Bildarchiv, das seit über 20 Jahren Fotografien aus privaten Beständen sammelt. Die 20.000 historischen Bilder zeigen das Leben in Walle und anderen Bremer Stadtteilen, das Material geht bis zu den Anfängen der Fotografie zurück. Donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr ist das Archiv offen und man kann sich die nach Straßen sortierten Ordner alle anschauen. Was und wie fotografiert wurde, ist allein schon interessant genug. Und in den Adressbüchern lässt sich nachsehen, wer eigentlich wann wo lebte und welchen Beruf ausübte. Sofern man das wissen möchte. Die Chefin Cecilie erzählt auch gerne den Werdegang des Archivs von der Arbeitsbeschaffungs-maßnahme zur städtischen Einrichtung.

Wenn man dann vom Schauen genug hat, kann man entweder im Café des Kulturhauses selbstgemachten Kuchen verzehren oder, schließlich ist man schon mal in Walle, weiterziehen zur: Besten Bäckerei Bremens (2). Wer im Genusshaus schon mal Backwaren erstanden hat, kennt die Kunst der Schröders aus der Fiegenstraße bereits. Zur Rushhour am Samstag Morgen reicht die Schlange zurecht bis auf die Straße hinaus. Empfehlen kann ich alles, im Besonderen das Münsterländer Brot, das Lunabrot, die Malzcroissants, den Zwieback und so namenlose, dicke, zuckrige Rosinendinger. Auf dem Heimweg ließe sich dann noch ein Schlenker einbauen, durch die Vegesacker Straße zur Sportklause Waller Mitte (3). Im bunten Wimpelketten-Biergarten lässt es sich gut aushalten, wenn man nichts zu erzählen hat, übernimmt das auch gerne die Wirtin.

Gastbeitrag von Anna Hadzelek

Erlenstr. 98 / Neustadt

WEIN-BENNECKE

Fuselfritz un sine Fru

1½ Jahre haben Fritz Bennecke und seine Frau Erika in der letzten Zeit versucht, einen Nachfolger für ihr Lebenswerk tief in der Neustadt zu finden. Vergeblich! Dass Wein Bennecke nichtsdestotrotz immer noch seine Türen öffnet, liegt am Herzblut mit dem das Ehepaar nun schon seit 57 Jahren seinen Laden betreibt. Angefangen mit Obst und Gemüse haben sie in den Sechzigern den ersten Wein mit ins Programm genommen. Ab 1980 haben sie dann ganz auf Spirituosen umgestellt. Ungefähr seitdem haben sie wohl auch ihren Spitznamen weg, der "Fuselfritz un sine Fru".

Wer also wieder mal verloren vorm Weinregal im Supermarkt steht oder endlos auf die Person mit dem Schlüssel vom Alkschrank wartet, der sollte den Abstecher in die Erlenstraße 98, Nähe Friedrich-Ebert-Straße, antreten. Hier gibt’s nicht nur ein verlockendes Weinsortiment mit einigen Überraschungen, sondern auch eine wirklich hervorragende Auswahl an Whiskey und Rum und weiterem Hochprozentigen, die seinesgleichen sucht. Dass dies alles zu erschwinglichen Preisen zu haben ist, liegt an den traditions-reichen Kontakten der Benneckes und auch wohl daran, dass die Freude an ihrem Tun spürbar im Vordergrund steht.

Das herzallerliebste Ehepaar könnt Ihr aufgrund seines respektablen Alters von 83 und 81 Jahren aber nur noch Donnerstag und Freitag von 10.00 - 13.00 und 15.00 - 18.00 und samstags von 10.00 - 12.00 zu einem Schnack besuchen. Aber aufgepasst, mit seiner hanseatischen Art hat Euch der alte Fritz dann ruckzuck den trockenen Elbling, den spanischen Rosé oder doch den Hauspro-secco aufgeschwatzt. "Da sind wir groß mit", sagt er nur. Und das zu Recht!

Gastbeitrag von Tobias Geiger

WENDLAND

Von Bremen nach Mammoissel sind es 211 km mit dem Auto, mit der Bahn fährt man nach Uelzen, Salzwedel oder Dannenberg und landet im wunderschönen Wendland. Mammoissel, Gühlitz, Loge, Retze, Lübeln, Saasse heißen ein paar der außerge-wöhnlichen Rundlingsdörfer im Wendland. Als Rundling bezeichnet man eine kreis– oder ovalförmig angeordnete dörfliche Siedlungsform, wobei sich in der Mitte des Dorfes ein Dorfplatz befindet, der von etwa 10 Höfen umkreist wird. Im 19. Jahrhundert wurden etliche Dörfer durch Großbrände zerstört. Viele der Höfe wurden wieder aufgebaut und so hat man heute das Glück unzählige, detailreich restaurierte Hallenhäuser vorzufinden. Die Rundlingsdörfer gehen auf eine slawische Tradition zurück, warum genau aber die Dörfer damals in dieser Form erbaut wurden, konnte man bis heute nicht final ergründen.

Eine Fahrradtour mit Übernachtung im Wendland lohnt sich! Und wenn man schon mal da ist, könnte man sich auf die Suche nach dem vergessenen Volk, "den Wenden" machen, eine Kinoveranstaltung im C a f é  G r e n z b e r e i c h e in Platenlaase besuchen (hier gibt es übrigens auch ein günstiges Gästezimmer) oder ein Bierchen bei Elfriede Schulz, der 80-jährigen Wirtin in Groß Heide zischen oder einfach nur die Natur genießen.

Feldstr. 113 / Viertel

WINDSCHILD MÖBELDESIGN

Recht versteckt in der Nummer 113 der sehr langen Feldstraße, fast bei der Sankt-Jürgen-Kreuzung, hat Merret Windschild ihren Laden mit Werkstatt. Die studierte Industriedesignerin und gelernte Tischlerin baut dort bevorzugt an ihren eigenen Entwürfen, bei denen sie gerne um alte Möbelstücke wie Nähkästen und Schubladen neue Möbel drumherum baut, oder eine alte Tischlerplatte ein neues Dasein in Form von Schränkchen und Regalen in Kombination mit neuem Hochglanz bekommt. Der sehr schlimme Ausdruck "Upcycling" schreit einem dabei jedoch nicht direkt ins Gesicht sondern macht sich erst dezent in zurückhaltender Manier bei einem zweiten Blick bemerkbar. Direkt ins Auge fällt allerdings das feine skandinavische Design, die geschmackvolle Farbwahl und schöne Komposition der Materialien.

Auch schön ist, dass man bei Merret nicht nur Möbel kaufen oder in Auftrag geben, sondern auch selber bauen kann. Hierfür bieten sich zwei Möglichkeiten. Entweder belegt man a) einen ihrer Workshops, bei denen man an einem Wochenende mit drei anderen Teilnehmern ein individuelles eigenes Projekt umsetzt oder aber b) man mietet sich stundenweise in ihre Werkstatt ein. In beiden Fällen steht sie mit Rat, Tat und Wissen zur Seite.

Wer einfach nur von seinen vier Wänden gelangweilt ist, kann mit einem sogenannten Strukturroller a.k.a. "Tapete für Arme" Abhilfe schaffen. Mit der in so ziemlich in Vergessenheit geratenen Technik aus den 60er Jahren lässt sich mittels Walze und Farbe ein Muster auf die Wand anbringen, das in der Fläche dann widerum wie eine Tapete ausschaut. Eine Rolle kostet mit einer Leihgebühr von 16,50 pro Tag gerade mal so viel wie eine Rolle Tapete, ist aber natürlich viel ergiebiger. Wie das genau das von statten geht, zeigt dieses kurze V i d e o sehr eindrucksvoll. Alles weitere zu Windschild findet ihr h i e r.

Es geht weiter:
Merret Windschild hat ihren Laden in der Feldstraße aufgegeben. Sie ist jetzt in der Neustadt zu finden, und zwar in der Tischlerei-gemeinschaft Rolappe/Windschild in der Hohentorsheerstraße 168.

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